Die wichtigsten Fakten zur Malizia-Kampagne im Ocean Race
- Team Malizia verbindet Hochseeregatten mit Wissenschaft, Bildung und Klimathemen.
- Beim Ocean Race 2022/23 holte die Mannschaft Platz 3, zwei Etappensiege und einen 24-Stunden-Monohull-Rekord von 641,13 Seemeilen.
- Die nächste Phase startet 2026 mit einer neuen IMOCA und dem Ocean Race Atlantic über 3.000 Seemeilen von New York nach Lorient.
- Das Atlantic-Format mit vier Seglern, Bordreporter und 50:50-Crew ist ein präziser Härtetest für 2027.
- Für Malizia ist 2026 vor allem ein Brückenschlag Richtung The Ocean Race 2027.

Warum Team Malizia im Ocean Race so auffällt
Ich halte Team Malizia für eines der wenigen Projekte im Offshore-Segeln, bei denen Sport und Botschaft wirklich zusammenpassen. Die Mannschaft ist international aufgestellt, wird von Boris Herrmann geführt und von einem breiten Netzwerk aus Seglern, Technikern und Partnern getragen. Dazu kommen die klaren Säulen der Kampagne: Segeln, Wissenschaft, Bildung und Partnerschaften. Das ist kein Dekor, sondern die Grundlage dafür, dass aus einer Regattamannschaft ein langfristiges Hochseeprojekt wird.
Gerade aus deutscher Sicht ist das relevant, weil Herrmann längst mehr ist als ein schneller Skipper. Er bringt Erfahrung aus Solo-, Doublehanded- und Fully-Crewed-Formaten mit und hat die Malizia-Kampagne bewusst als Plattform gebaut, die sportliche Leistung, Klimakommunikation und Nachwuchsarbeit verbindet. Für mich ist genau das der Unterschied zu vielen Kurzzeitprojekten: Malizia denkt nicht von Rennen zu Rennen, sondern in Entwicklungszyklen. Die Mannschaft wächst, die Technik reift, und das Ziel bleibt über Jahre stabil. Aus dieser Stabilität erklärt sich auch, warum die Resultate so ernst genommen werden. Das führt direkt zur Frage, was die bisherigen Ocean-Race-Ergebnisse wirklich aussagen.
Was die bisherigen Resultate wirklich zeigen
Die sportliche Bilanz ist der eigentliche Beweis dafür, dass dieses Projekt mehr ist als eine gute Geschichte. Im Ocean Race 2022/23 trat Team Malizia erstmals in der legendären Runde-um-die-Welt-Regatta an und kam direkt mit einem Podiumsplatz zurück. Dazu kamen zwei Etappensiege und ein Rekord, der in der Offshore-Szene sofort hängen bleibt: 641,13 Seemeilen in 24 Stunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,71 Knoten. Das ist nicht nur schnell, das ist ein klares Signal an die Konkurrenz.
| Rennen | Ergebnis | Was daran sportlich zählt |
|---|---|---|
| The Ocean Race 2022/23 | 3. Platz insgesamt, zwei Leg-Siege | Belegt, dass die Crew auch in langen, taktisch brutalen Offshore-Phasen konstant performt |
| Rekordfahrt 2023 | 641,13 Seemeilen in 24 Stunden | Zeigt das Top-Speed-Potenzial der Yacht und die Qualität der Abstimmung an Bord |
| The Ocean Race Europe 2025 | 4. Platz insgesamt nach fünf Etappen und rund 4.500 Seemeilen | Bestätigt, dass die Mannschaft auch in kürzeren, intensiven Formaten stabil bleibt |
Besonders stark finde ich den Sieg auf der langen Southern-Ocean-Etappe 2023. 34 Tage, 17 Stunden, 10 Minuten und 28 Sekunden auf See, dazu der Druck eines der härtesten Legs des gesamten Rennens: Wer dort gewinnt, hat nicht nur ein schnelles Boot, sondern auch Nerven, Fehlerkultur und Manöverkraft. Genau deshalb lese ich die Malizia-Ergebnisse nicht als Zufall, sondern als Reifezeichen. Die nächste Frage ist damit nicht mehr, ob das Team mithalten kann, sondern wie gut die neue Phase technisch vorbereitet ist.

Warum die Atlantikregatta 2026 für Malizia ein echter Härtetest ist
Der Ocean Race Atlantic 2026 ist für mich der spannendste Baustein der gesamten Kampagne. Das Rennen ist als hochgeschwindige, vollbesetzte Transatlantikfahrt der IMOCA-Klasse angelegt, startet am 1. September 2026 in New York und endet in Lorient. Die Distanz liegt bei rund 3.000 Seemeilen, die geplante Dauer bei ungefähr acht Tagen. Dazu kommt ein Format, das im Offshore-Segeln in dieser Form sehr bewusst auf Zukunft getrimmt ist: vier Seglerinnen und Segler plus Bordreporter, erstmals mit verpflichtender 50:50-Gender-Balance.
Für Malizia ist das aus mehreren Gründen wichtig. Erstens fährt das Team mit einer neuen IMOCA an den Start, die im Juni 2026 zu Wasser gehen soll. Ein neues Boot ist im Hochseesegeln nie nur ein neues Design, sondern immer auch eine neue Arbeitsumgebung. Cockpit-Ergonomie, Segelhandling, Foils, Gewichtslage und Kommunikationswege müssen zusammenpassen. Ein Foiler, also ein Boot mit Tragflächen, die bei Tempo Auftrieb erzeugen, reagiert empfindlich auf Detailfehler. Wer dort kleinste Unsauberkeiten hat, verliert sofort Geschwindigkeit oder Sicherheit.
Zweitens ist die Atlantic-Regatta der erste echte Härtetest auf dem Weg zum Ocean Race 2027. Die Route von New York nach Lorient ist zwar deutlich kürzer als eine Weltumsegelung, aber gerade deshalb gnadenlos ehrlich. Es gibt weniger Zeit, um Fehler zu kompensieren. Wer in so einem Sprint sauber segelt, zeigt, dass Crew und Material als Einheit funktionieren. Die Mannschaft um Boris Herrmann hat deshalb nicht zufällig eine breitere Besetzung aufgebaut. Das Ziel ist nicht nur, ein Rennen zu gewinnen, sondern die Gruppe so zusammenzuschweißen, dass 2027 ein echtes eingespieltes Team an der Startlinie steht. Daraus ergibt sich ziemlich direkt, was Segelfans und Regatta-Beobachter aus Malizias Vorgehen lernen können.
Was Segelfans aus Malizias Ansatz mitnehmen können
Ich lese die Kampagne auch als Lehrstück dafür, wie moderne Offshore-Teams heute arbeiten müssen. Drei Dinge fallen mir dabei besonders auf:
- Crewtiefe ist wichtiger als ein einzelner Star - Malizia plant mit einem größeren Kern, damit sich die Besetzungen zwischen verschiedenen Rennen sinnvoll rotieren lassen. Das macht ein Projekt robuster, wenn parallel noch andere Programme laufen.
- Boot und Regattatyp müssen zusammen gedacht werden - Ein Boot für Solo- oder Doublehanded-Rennen ist nicht automatisch ideal für vollbesetzte Formate. Bei Malizia sieht man, wie stark Layout und Taktik schon beim Design mitgedacht werden.
- Routing und Wetter entscheiden oft mehr als reine Geschwindigkeit - Offshore-Rennen werden nicht nur auf der Kreuz gewonnen. Wer Wetterfenster, Strömungen und Risikozonen besser liest, holt auf langen Distanzen enorme Vorteile.
- Sustainability muss mitfahren, nicht nur auf dem Papier stehen - Die Malizia-Kampagne nutzt Daten, Bildung und Wissenschaft nicht als Begleitmusik, sondern als festen Teil des Projekts. Das erhöht den Aufwand, macht die Arbeit aber glaubwürdiger.
Gerade dieser Mix aus Technik, Taktik und Verantwortung macht das Projekt interessant. Malizia zeigt, dass Offshore-Segeln heute gleichzeitig Spitzensport, Ingenieursarbeit und Kommunikationsplattform sein kann. Wer das versteht, liest Resultate anders und erkennt schneller, warum manche Teams über Jahre hinweg konstant vorne mitfahren. Genau deshalb lohnt sich auch der Blick auf die nächste Phase der Kampagne.
Worauf ich bei der nächsten Malizia-Phase besonders achte
In den kommenden Monaten entscheidet sich vor allem, wie schnell die neue IMOCA in die gewünschte Performance kommt. Die Jungfernfahrt im Juni 2026 ist dabei nur der Anfang. Wirklich spannend wird, wie rasch die Crew das neue Boot unter Rennbedingungen versteht und wie sauber sich die Rollen an Bord einspielen. Bei einem Team, das parallel den Weg zum Ocean Race 2027 vorbereitet, ist das keine Nebensache, sondern der Kern des Projekts.
Ich würde außerdem auf drei Punkte achten: erstens auf die Abstimmung zwischen Boris Herrmann und der Kerncrew, zweitens auf die Belastbarkeit der neuen Yacht im vollbesetzten Atlantikformat und drittens auf die Frage, ob Malizia die Lernkurve aus den vergangenen Jahren in echte Vorentscheidung umwandeln kann. Wenn das gelingt, ist das Atlantic-Rennen nicht nur ein Einzelstart, sondern ein deutlicher Hinweis darauf, wie ernst es das Team 2027 meint. Wer das Projekt nur über die Ergebnisliste betrachtet, übersieht den eigentlichen Wert: Hier entsteht gerade eine der interessantesten Hochsee-Kampagnen im deutschsprachigen Segelsport.