Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Herrmann hat sich vom frühen Mini-Transat-Talent zu einem der bekanntesten Offshore-Segler Europas entwickelt.
- Seine stärksten Referenzen sind Solo- und Crewed-Rennen wie die Vendée Globe, The Ocean Race und mehrere Transatlantikregatten.
- Neben Platzierungen zählen bei ihm auch Bootsentwicklung, Sicherheit und Materialschonung.
- Team Malizia verbindet Sport mit Wissenschaft, Bildung und Daten aus dem Meer.
- 2026 steht vor allem das nächste Boot und die Ocean-Race-Atlantic-Kampagne im Fokus.
Warum er in der Hochseeszene so viel Gewicht hat
Ich sehe an seiner Karriere vor allem drei Dinge: frühes internationales Niveau, große Lernfähigkeit und die seltene Fähigkeit, aus Technik ein sportliches System zu machen. Viele Segler sind entweder starke Racer oder gute Tüftler. Bei ihm greifen beide Rollen ineinander, und genau das macht ihn für die Hochseeszene so interessant.
Schon früh sammelte er auf langen Strecken Erfahrung, später kam die Offenheit für unterschiedliche Rennformate dazu. Das reicht von Einhandrennen über Doublehanded-Formate bis zu großen Crewed-Events. Wer Offshore-Regatten verfolgt, merkt schnell: Nicht nur Geschwindigkeit zählt, sondern auch, wie sauber ein Team mit Windfenstern, Material und Belastung umgeht. In dieser Disziplin gehört Herrmann seit Jahren zur europäischen Spitze. Wer seine Laufbahn verstehen will, sollte deshalb weniger auf Einzelmomente und mehr auf die Entwicklung dahinter schauen.
Genau deshalb lohnt sich der Blick auf seine wichtigsten Ergebnisse im Detail.
Die wichtigsten Regatten und Platzierungen im Überblick
Herrmanns Ergebnisse zeigen, dass er nicht auf einen einzigen Renntyp festgelegt ist. Er ist sowohl in Solorennen als auch im Teamformat konkurrenzfähig, und gerade diese Vielseitigkeit macht seine Karriere belastbar.
| Jahr | Regatta | Ergebnis | Warum das wichtig ist |
|---|---|---|---|
| 2001 | Mini Transat | 11. Platz | Früher internationaler Einstieg auf der Atlantikbühne, damals noch als sehr junger deutscher Segler. |
| 2008 | Artemis Transat | 2. Platz | Ein starker Nachweis für Solokönnen auf einer der klassischen Transatlantikstrecken. |
| 2008/2009 | Portimão Global Ocean Race | Sieg | Hier wurde er als Offshore-Skipper mit Team- und Langstreckenstärke endgültig sichtbar. |
| 2010/2011 | Barcelona World Race | 5. Platz | Wichtige Erfahrung im Doublehanded-Format und in der IMOCA-Welt. |
| 2020/2021 | Vendée Globe | 5. Platz | Sein großer Beweis im härtesten Einhandrennen der Welt, trotz eines Spätschadens auf der Schlussphase. |
| 2023 | The Ocean Race | 3. Platz | Starkes Crewed-Ergebnis auf der Weltumsegelung und ein Zeichen für Teamleistung unter Druck. |
| 2024 | The Transat CIC und New York Vendée | 2. Platz und 2. Platz | Sehr gute Form in der Solo-IMOCA-Saison, wichtig für die Einordnung vor der nächsten großen Runde. |
| 2024/2025 | Vendée Globe | 12. Platz | Zeigt, wie hart das Rennen selbst für Topfavoriten bleibt und wie stark Materialmanagement mitentscheidet. |
| 2025 | The Ocean Race Europe | 4. Platz | Bestätigt, dass das Team auch in taktisch anspruchsvollen Crewed-Formaten konkurrenzfähig bleibt. |
Die Mischung ist entscheidend: Ein guter Platz in einem Solorennen beweist nicht automatisch Qualität im Teamformat, und umgekehrt. Genau deshalb ist diese Serie von Resultaten so aussagekräftig. Sie zeigt einen Segler, der sich immer wieder an neue Bedingungen anpasst, ohne seine Grundstärke zu verlieren.

Was seine Boote technisch interessant macht
Bei Herrmanns Projekten geht es nie nur um ein schönes Farbschema oder einen bekannten Sponsor. Die Boote sind Hightech-Werkzeuge für extremen Einsatz auf See, und genau dort liegt für mich der eigentliche Reiz. Eine IMOCA 60 ist kein klassischer Racer, sondern eine 60-Fuß-Yacht, die bei hoher Belastung über Tage oder Wochen schnell, robust und beherrschbar bleiben muss.
- Foils sind seitlich angeordnete Tragflächen, die dem Boot bei Fahrt Auftrieb geben und den Widerstand senken.
- Ein hohes Cockpit erhöht in der Praxis Schutz und Übersicht, gerade bei schwerem Wetter und Nachtfahrten.
- Eine gut ausbalancierte Rumpfform hilft nicht nur bei Tempo, sondern auch bei Kontrolle und Materialschonung.
- Solo- und Crewed-Tauglichkeit ist ein harter Kompromiss, weil das Boot schnell sein soll, aber nicht nur für eine einzige Rennart optimiert werden kann.
Die frühere Malizia-Seaexplorer fiel genau deshalb auf, weil sie nicht auf rohe Aggressivität setzte, sondern auf ein kluges Verhältnis aus Geschwindigkeit und Beherrschbarkeit. Das ist keine Nebensache, sondern im Offshore-Segeln oft der Unterschied zwischen einem starken Rennen und einem beschädigten Boot. Ich halte diese technische Denkweise für eines der wichtigsten Merkmale seines Projekts. Und sie erklärt auch, warum sein Team weit über die reine Ergebnisliste hinaus interessant bleibt.
Wie sich Sport, Wissenschaft und Ausbildung verbinden
Team Malizia ist mehr als eine Rennstruktur. Das Projekt verknüpft Leistung mit Wissenschaft und Bildungsarbeit, und genau das hebt es aus der Masse vieler reiner Sportkampagnen heraus. Nach Teamangaben wurden inzwischen über 10.000 Kinder mit dem Malizia Ocean Challenge Projekt erreicht. Parallel sammelt das Team mit Bordtechnik Daten aus dem Meer, darunter CO2-Messungen in abgelegenen Regionen, die an wissenschaftliche Partner weitergegeben werden.
Ich halte das nicht für dekoratives Beiwerk. In einem Sport, der stark von Sponsoren, Glaubwürdigkeit und langfristiger Finanzierung lebt, braucht ein Team eine klare Mission. Wer nur Rennen fährt, bleibt austauschbar. Wer dagegen Sport, Forschung und Bildung glaubwürdig verbindet, baut eine Marke mit Substanz auf. Für Leser, die Segeln nicht nur als Ergebnis, sondern als Teil einer größeren maritimen Kultur verstehen, ist genau das der spannende Punkt.
Aus dieser Haltung ergibt sich auch, warum Team Malizia in der Öffentlichkeit so präsent ist. Es geht nicht nur um die Frage, wer zuerst im Ziel ist, sondern auch darum, was während der Reise gelernt, gemessen und weitergegeben wird. Das führt direkt zu den praktischen Lehren für alle, die selbst Regatten segeln oder Offshore-Projekte beobachten.
Was Regattasegler von seinem Ansatz lernen können
- Materialschonung ist kein Verzicht. Auf langen Strecken verliert man oft mehr durch Schäden als durch ein paar Prozent weniger Risiko im Trimm.
- Ergonomie entscheidet über die Nachtleistung. Ein gutes Cockpit hilft nur, wenn Arbeitsschritte schnell, klar und wiederholbar bleiben.
- Ein Boot muss zum Einsatzprofil passen. Solo, Doublehanded und Crewed stellen unterschiedliche Anforderungen an Balance, Sicht und Bedienung.
- Daten sind hilfreich, aber nicht allmächtig. Wetter, Strömung und Bootsbalance bleiben auf See genauso wichtig wie Zahlen aus dem Rechner.
- Konstanz schlägt Showeffekte. In Offshore-Regatten gewinnen oft jene, die Fehler vermeiden und über viele Tage ruhig arbeiten.
Für Clubsegler heißt das nicht, dass man sofort ein Foil-Boot bauen muss. Die eigentliche Lektion ist viel bodenständiger: sauberes Trimmen, klare Abläufe und verlässliches Material machen jedes Boot schneller. Genau diese Logik zieht sich durch Herrmanns Karriere und macht sie auch für weniger extreme Segelwelten interessant.
Warum 2026 vor allem das nächste Kapitel zählt
2026 geht es weniger um Nostalgie als um den Übergang in die nächste Phase. Team Malizia hat die Crew für The Ocean Race Atlantic bereits vorgestellt, der Start ist für den 1. September in New York geplant, und das neue IMOCA-Projekt soll schneller, vielseitiger und für Solo- wie Crewed-Einsätze tauglich sein. Das ist sportlich wichtig, aber auch strategisch: Wer in der IMOCA-Klasse relevant bleiben will, muss permanent weiterentwickeln.Hinzu kommt der Verkauf der bisherigen Malizia-Seaexplorer an das Team von Francesca Clapcich, das zeigt, wie stark dieses Boot und das gesamte Projekt bereits in der Szene verankert sind. Für mich ist genau das die eigentliche Nachricht: Herrmann bleibt nicht bei einem erfolgreichen Kapitel stehen, sondern baut eine Struktur, die Leistung, Technik und Reichweite verbindet. Das nächste Ergebnis ist wichtig, aber die größere Frage lautet, wie gut das neue Schiff und das neue Teamkonzept unter realen Offshore-Bedingungen funktionieren.
Wer die Szene 2026 verfolgt, sollte deshalb nicht nur auf Platzierungen achten, sondern auf das Zusammenspiel aus Boot, Crew, Wetterentscheidungen und technischer Reife. Genau dort entscheidet sich, ob ein Projekt nur kurz aufflammt oder über Jahre relevant bleibt.