Die Pink Gin VI gehört zu den seltenen Yachten, bei denen man auf den ersten Blick nicht nur Größe sieht, sondern ein klares technisches Konzept. Wer diese Einheit verstehen will, bekommt hier die wichtigsten Fakten zu Bau, Ausstattung, Refit und aktueller Einordnung, ohne sich durch unnötigen Fachjargon kämpfen zu müssen.
Die wichtigsten Fakten zur Yacht in Kürze
- Es handelt sich um eine 53,90 Meter lange Carbon-Slup aus finnischer Werftarbeit, ausgeliefert 2017.
- Die Yacht war bei der Indienststellung die größte Carbonfaser-Slup der Welt und setzte mit ihren aufklappbaren Balkonlösungen Maßstäbe.
- Besonders prägend sind der 67,90 Meter hohe Mast, der Hubkiel und das elektronische Force-Feedback-Steuersystem.
- Zwischen 2023 und 2024 wurde das Schiff umfassend refittet und unter neuem Namen stärker auf Performance ausgerichtet.
- Für Leser von Sphinx-12mr.de ist die Einheit vor allem deshalb spannend, weil sie zeigt, wie sich Segelleistung, Luxus und spätere Modernisierung miteinander verbinden lassen.
Warum diese Yacht sofort auffällt
Ich sehe an diesem Projekt vor allem eines: Hier wurde nicht einfach eine große Segelyacht gebaut, sondern eine Plattform, die Grenzen verschieben sollte. Der Rumpf besteht aus Carbonverbund, also einem Werkstoff, der bei großer Länge vor allem zwei Dinge verlangt: exakte Konstruktion und konsequente Gewichtskontrolle. Genau deshalb wirkt die Yacht nicht nur luxuriös, sondern technisch auch sehr bewusst gezeichnet.
Zur Aufmerksamkeit tragen vor allem vier Punkte bei. Erstens ist die Yacht mit 53,90 Metern Länge ein echtes Schwergewicht in der Superyacht-Klasse. Zweitens brachte sie mit den seitlichen, ausklappbaren Balkonöffnungen ein Detail an Bord, das im Segelyachtbau damals kaum jemand in dieser Form umgesetzt hatte. Drittens sorgt das hohe Sloop-Rigg für Präsenz und Leistung, gerade bei leichterem Wind. Und viertens ist der ganze Entwurf so angelegt, dass er nicht wie ein schwimmendes Schaustück wirkt, sondern wie ein durchdachtes Hochleistungsfahrzeug mit Wohnkomfort.
Wer sich fragt, warum dieses Schiff in der Szene so häufig erwähnt wird, findet die Antwort also nicht in einem einzelnen Gimmick, sondern in der Kombination aus Größe, Technik und klarer Designidee. Für die harten Zahlen lohnt sich jetzt der Blick auf die Spezifikation.
Die wichtigsten technischen Daten auf einen Blick
Ich trenne hier bewusst Maße und Wirkung, weil reine Zahlen ohne Kontext schnell an Wert verlieren. Bei einer Yacht dieser Klasse sagt jedes Detail etwas über Fahrverhalten, Nutzung und Wartung aus.
| Merkmal | Wert | Was das in der Praxis bedeutet |
|---|---|---|
| Länge über alles | 53,90 m | Genug Volumen für echte Fernreise-Qualitäten und großzügige Decksflächen |
| Breite | 9,55 m | Stabile Plattform mit viel Innenraum und ordentlicher Auftriebsreserve |
| Tiefgang | 4,50 / 5,56 / 7,00 m | Die variable Angabe zeigt den Einfluss des Hubkiels und der jeweiligen Konfiguration |
| Verdrängung | 250 t | Ein Hinweis auf die enorme Strukturmasse, die bei Carbonbauweise dennoch beherrscht bleibt |
| Ballast | 79 t | Wichtig für Stabilität und Segelbalance bei großem Rigg |
| Mast | 67,90 m | Sehr hoher Segelträger, der vor allem bei wenig Wind Leistung freisetzen soll |
| Rigg | Slup | Einfachere Segelbedienung als bei komplexeren Riggarten, trotz der Größe anspruchsvoll im Handling |
| Werft und Design | Baltic Yachts, judel/vrolijk & co, Design Unlimited | Erklärung für die starke Mischung aus Performance, Strukturdenken und Innenraumqualität |
| Auslieferung | 2017 | Die Grundarchitektur stammt aus einer Phase, in der Carbon-Superyachten gerade einen neuen Maßstab setzten |
| Hubkiel | 71 t mit Torpedobulb | Mehr Flexibilität bei Fahrwasser und Performance, aber auch höhere technische Komplexität |
Die variable Tiefgangsangabe ist kein Widerspruch, sondern ein praktischer Vorteil des Hubkiels. Genau solche Details zeigen, dass man hier nicht nur eine große Yacht, sondern ein fein austariertes System vor sich hat. Der nächste Schritt ist deshalb die Frage, was an der Konstruktion wirklich neu war.

Was am Entwurf wirklich neu war
Die eigentliche Besonderheit dieser Yacht liegt für mich nicht allein in der Länge, sondern in den konstruktiven Entscheidungen. Zwei ausklappbare Balkonöffnungen im Rumpf, eine extrem hohe Takelage und ein auf Performance getrimmter Carbonaufbau sind einzeln schon bemerkenswert. Zusammen ergeben sie ein Projekt, das den Begriff „Großsegler“ deutlich enger an die Idee eines Hightech-Schiffes bindet.
- Die Balkonöffnungen sind nicht bloß ein Showeffekt. Sie erweitern den Kontakt zum Wasser direkt aus dem Owner-Bereich und aus dem Hauptsalon, verlangen aber gleichzeitig eine sehr saubere strukturelle Auslegung.
- Das Force-Feedback-Steuersystem ist für so große Segelyachten wichtig, weil der Ruderdruck sonst zu künstlich oder zu stumpf wirken kann. Die Technik soll dem Steuermann ein realistischeres Gefühl vermitteln.
- Der 67,90 Meter hohe Mast gibt dem Sloop-Rigg die nötige Hebelwirkung. Das ist vor allem bei leichterem Wind ein Vorteil, wenn die Yacht ihre Größe in Vortrieb übersetzen soll.
- Der Hubkiel mit Torpedobulb ist kein Luxusdetail, sondern Teil der Balance. Er hilft bei der Kombination aus Tiefgang, Leistung und Routenflexibilität.
Aus meiner Sicht ist genau diese Mischung der Grund, warum das Schiff nicht wie ein modisches Einzelstück wirkt. Die Yacht sollte offensichtlich zeigen, was mit moderner Verbundbauweise möglich ist, wenn Design, Konstruktion und Eignerwunsch aus einem Guss gedacht werden. Noch spannender wird die Geschichte aber dort, wo aus einem bereits außergewöhnlichen Schiff ein neues Kapitel wurde.

Was der Refit verändert hat und warum der neue Name wichtig ist
Wer ältere Berichte liest, sollte wissen: Die Yacht wurde später verkauft und nach einem umfassenden Refit unter einem neuen Namen weitergeführt. Für die Einordnung ist das wichtig, weil es nicht nur um Kosmetik ging. Zwischen 2023 und 2024 wurde das Schiff rund neun Monate lang überarbeitet, und der Schwerpunkt verschob sich stärker in Richtung performanceorientiertes Segeln.
| Bereich | Vor dem Refit | Nach dem Refit |
|---|---|---|
| Außenlinie | Starke visuelle Präsenz mit den bekannten Balkonöffnungen | Strömungsgünstigeres, schlankeres Styling mit überarbeiteter Bimini- und Helmzone |
| Rigg und Segelplan | Schon sehr leistungsstark ausgelegt | Überarbeitete Takelage, veränderte Vorstag-Lösung, laufende Achterstagen und verlängerter Bugspriet um 1,5 Meter |
| Deck- und Bedienkonzept | Luxuriös und cruiserorientiert | Neue Winschen, schnellere Leinenführung und ein klareres Setup für aktiveres Segeln |
| Innenraum | Sehr repräsentativ und farbiger akzentuiert | Neugestaltung mit dunkel gebeizter Eiche, neuen Oberflächen und einer ruhigeren, skandinavischeren Anmutung |
| Salon | Pianobereich als Teil der ursprünglichen Raumfolge | Umgestaltung mit Breakfast-Bar und neuem Nutzungsfokus im zweigeschossigen Salon |
Für mich ist das eine saubere Refit-Logik: Die charakteristische Substanz blieb erhalten, aber das Schiff wurde aus seiner reinen Cruiser-Rolle heraus weiterentwickelt. Gerade das macht den heutigen Zustand interessant, weil hier nicht einfach ein neues Interieur eingebaut wurde, sondern ein vorhandenes Konzept bewusst geschärft wurde. Als Nächstes lohnt sich der Blick nach innen, denn dort entscheidet sich oft, ob eine Superyacht im Alltag wirklich funktioniert.
Wie der Innenraum auf lange Törns ausgelegt ist
Bei einer Yacht dieser Größe reicht es nicht, große Kabinen einzubauen und auf Fotos gut auszusehen. Der Innenraum muss Ruhe, klare Wege und eine glaubwürdige Wohnqualität liefern, sonst nutzt die ganze Dimension wenig. Genau hier punktet das Schiff: Der Aufbau ist auf lange Fahrten ausgelegt, bei denen Komfort nicht Dekoration ist, sondern Teil der Funktion.
Die seitlichen Öffnungen im Rumpf sind dafür ein gutes Beispiel. Sie bringen Licht, Luft und den direkten Bezug zum Wasser in den Owner-Bereich und in den Hauptsalon, allerdings natürlich nur dann sinnvoll, wenn Wetter und Seegang es zulassen. Das ist ein Punkt, den ich immer betonen würde: Solche Features sind spektakulär, aber sie sind keine Einladung, bei rauen Bedingungen leichtfertig mit dem Schiff umzugehen. Ihre Stärke liegt in der ruhigen, kontrollierten Nutzung.
Auch die Materialwahl passt zu diesem Anspruch. Natürliche Oberflächen, klare Linien und ein bewusst reduziertes Finish nach dem Refit sorgen dafür, dass der Innenraum nicht überladen wirkt. Das ist für mich ein wichtiger Unterschied zwischen einem rein demonstrativen Luxusobjekt und einer Yacht, auf der man tatsächlich Zeit verbringen will. Wenn sich Akustik, Temperaturgefühl und Bewegungsfreiheit gut anfühlen, bleibt Komfort nicht Theorie.
Genau daraus ergibt sich die nächste Frage: Was kann man aus einem solchen Projekt für eigene Entscheidungen im Yachtbereich lernen?
Was Segler und Eigner aus diesem Projekt lernen können
Ich halte die Yacht für ein sehr gutes Lehrstück, wenn man verstehen will, wie moderne Großsegler wirklich entstehen. Nicht jede Idee ist automatisch sinnvoll, und nicht jede starke visuelle Lösung ist auch seetüchtig oder wartungsfreundlich. Hier sind die wichtigsten Lektionen, die ich aus dem Projekt ziehen würde:
- Die Nutzung muss vor dem Design stehen. Ein echter Cruiser braucht andere Prioritäten als eine Regattaplattform, selbst wenn beide spektakulär aussehen sollen.
- Carbon spart nicht automatisch Komplexität. Der Werkstoff bringt Gewichtsvorteile und Steifigkeit, verlangt aber präzise Fertigung, Erfahrung und saubere Instandhaltung.
- Besondere Features sind immer Systementscheidungen. Balkonöffnungen, Hubkiel oder elektronische Steuerung wirken nur dann überzeugend, wenn die gesamte Struktur darauf ausgelegt ist.
- Reifts lohnen sich, wenn sie aus der Nutzung heraus gedacht sind. Der spätere Umbau hat nicht einfach verschönert, sondern die Yacht auf ein klareres Einsatzprofil gebracht.
- Das originale Werftwissen bleibt wertvoll. Dass der Umbau wieder im Umfeld der ursprünglichen Werft stattfand, ist kein Zufall, sondern ein Zeichen dafür, wie wichtig Bauwissen bei Sonderprojekten bleibt.
Wer sich mit Großseglern beschäftigt, sollte genau auf diesen Punkt achten: Nicht die einzelne Idee entscheidet, sondern die Qualität der Integration. Und genau deshalb ist dieses Schiff auch 2026 noch ein relevanter Bezugspunkt.
Was an der Yacht bis heute Maßstäbe setzt
Auch nach der späteren Überarbeitung bleibt diese 54-Meter-Slup ein Projekt, an dem man sehr gut ablesen kann, wohin sich hochwertige Segelyachten entwickelt haben. Sie verbindet Performance, Wohnkomfort und technische Sorgfalt so, dass das Ergebnis nicht nur imposant aussieht, sondern auch in der Praxis schlüssig bleibt. Das ist selten.
Wenn ich das Schiff auf einen Satz herunterbrechen müsste, würde ich sagen: Hier wurde nicht versucht, möglichst viel Effekthascherei unterzubringen, sondern möglichst viel echte Funktion in eine außergewöhnliche Form zu übersetzen. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf dieses Boot noch immer, vor allem für Leser, die Segeldesign, Yachtpflege und maritime Ingenieurskunst nicht getrennt voneinander denken.
Wer moderne Großsegler vergleichen will, sollte sich an diesem Beispiel immer die gleiche Frage stellen: Dient ein Detail wirklich dem Segeln, dem Leben an Bord oder nur dem ersten Eindruck? Bei dieser Yacht ist die Antwort auf die meisten der prägnanten Elemente überraschend klar, und genau darin liegt ihre anhaltende Bedeutung.