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Holcim-PRB - Was steckt hinter dem Erfolg dieser IMOCA-Kampagne?

Segelboot des **Team Holcim** pflügt durch die Wellen, die Segel sind mit dem Logo und "The Ocean Race" beschriftet.

Geschrieben von

Rolf Götz

Veröffentlicht am

22. Jan. 2026

Inhaltsverzeichnis

Die Holcim-PRB-Crew ist kein klassisches Vereinsprojekt, sondern eine professionell aufgebaute Offshore-Kampagne, die auf höchstem Niveau um Plätze und um Reputation segelt. Wer verstehen will, warum dieses Team in der IMOCA-Szene so viel Aufmerksamkeit bekommt, muss auf drei Ebenen schauen: auf die Regatten, auf die Technik und auf den Anspruch, Sport mit einem glaubwürdigen Nachhaltigkeitsgedanken zu verbinden. Genau diese Punkte ordne ich hier für dich ein.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Das Projekt startete 2022 auf Basis der 30-jährigen Offshore-Tradition von PRB und wurde schnell zu einem festen Namen in der IMOCA-Klasse.
  • In The Ocean Race 2023 belegte das Team Rang 2 im Gesamtklassement einer der härtesten Crew-Regatten der Welt.
  • Nicolas Lunven segelte bei der Vendée Globe 2024/25 auf Platz 6 unter 40 Startern.
  • Bei The Ocean Race Europe 2025 stand die Crew erneut auf dem Podium und gewann zusätzlich den ersten Sustainability Award der Regatta.
  • Seit 2025 befindet sich das Projekt in einer neuen Phase, weil Holcim seine Rolle als Hauptsponsor in der IMOCA-Klasse zurückfährt.

Wofür das Projekt Holcim-PRB steht

Ich würde die Holcim-PRB-Kampagne eher als Hochseelabor als als bloßes Sponsoring bezeichnen. Seit dem Start 2022 geht es um ein professionelles Gesamtpaket aus Boot, Crew, Wetteranalyse, Technikteam und einer klaren sportlichen Mission. Das Projekt baut auf der langen Offshore-Tradition von PRB auf, die in Frankreich seit Jahrzehnten zum Inventar des Spitzen-Segelns gehört.

Für Leser ist genau das spannend: Hier sieht man, wie moderne Regattateams heute funktionieren. Ein guter Skipper reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob das gesamte System auf Dauer schnell, belastbar und reparaturfähig bleibt. Holcim-PRB hat sich genau in diesem Spannungsfeld einen Namen gemacht. Wie Holcim selbst betont, sollte die Kampagne von Anfang an nicht nur Rennen gewinnen, sondern auch eine Verbindung zwischen Ozean, Kreislaufwirtschaft und Forschung herstellen.

Damit ist die Crew mehr als ein Logo auf dem Rumpf. Sie ist ein Beispiel dafür, wie professioneller Offshore-Sport heute erzählt, organisiert und vermarktet wird. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Regatten, in denen dieses Team seine Substanz gezeigt hat.

Welche Regatten den Ruf des Teams geprägt haben

Die sportliche Entwicklung ist ziemlich klar: erst Crewrennen, dann Solo-Herausforderung, dann erneut ein starkes Mannschaftsformat. Für mich ist das interessant, weil man daran sehr gut ablesen kann, ob ein Projekt wirklich breit aufgestellt ist oder nur in einer Nische funktioniert.

Regatta Format Ergebnis Warum es wichtig ist
The Ocean Race 2023 Crewed round-the-world race mit neun Stopps 2. Platz insgesamt Ein starkes Signal im härtesten Mannschaftsformat; die längste Etappe lag bei 23.613 Kilometern nonstop.
Vendée Globe 2024/25 Soloregatta um die Welt 6. Platz für Nicolas Lunven unter 40 Startern Beweist, dass das Boot auch im Einhandmodus konkurrenzfähig und zuverlässig ist.
The Ocean Race Europe 2025 Mehrstufige Crewregatta über fünf Etappen Podiumsplatz und Bronze Zeigt, dass das Team nach Rückschlägen schnell wieder auf Topniveau liefern kann.

Gerade die Mischung aus Crew- und Soloregatten ist kein Zufall. Sie zeigt, ob ein Projekt in mehreren Belastungsprofilen funktioniert: mit wechselnden Besatzungen, unter Zeitdruck, bei langen Etappen und mit sehr unterschiedlichen taktischen Anforderungen. Genau an dieser Stelle trennt sich gute PR von echter sportlicher Qualität.

Wer diese Resultate einordnen will, muss aber auch die Klasse verstehen, in der dieses Team unterwegs ist. Und die ist deutlich kompromissloser, als viele Außenstehende vermuten.

Segelboot des **Team Holcim** mit roten und blauen Segeln, das mit hoher Geschwindigkeit über das Meer rast.

Warum die IMOCA-Klasse so anspruchsvoll ist

IMOCA-Boote sind High-Performance-Einrumpfboote für Offshore-Rennen. Sie sind schnell, technisch komplex und so gebaut, dass sie bei extremer Belastung auf offener See noch beherrschbar bleiben. Viele dieser Yachten arbeiten mit Foils, also seitlichen Tragflächen, die das Boot teilweise aus dem Wasser heben und so Geschwindigkeit gewinnen. Das klingt elegant, ist an Bord aber ein permanenter Balanceakt zwischen Tempo und Materialschonung.

Ich halte die IMOCA-Klasse für eine der ehrlichsten Prüfungen im Segelsport, weil dort fast alles gleichzeitig zählt: aerodynamische Trimmung, Wetterrouting, Segelwahl, Robustheit des Rumpfs und die Fähigkeit, Schäden unterwegs zu begrenzen. Eine schnelle Yacht ist wenig wert, wenn sie die Belastung nicht übersteht. Genau das hat Holcim-PRB 2025 in Kiel gezeigt, als nach einem Schaden am Rumpf und am Rig innerhalb weniger Tage repariert werden musste, um wieder an den Start zu gehen.

Für Leser bedeutet das: In diesem Segment gewinnt nicht nur das schnellste Boot, sondern vor allem das Boot, das schnell, robust und reparaturfreundlich genug konstruiert ist, um die Brutalität langer Offshore-Etappen zu überleben. Das ist der Punkt, an dem Design, Materialwahl und Seemannschaft direkt zusammenlaufen. Und genau hier wird sichtbar, warum an Bord allein niemand gewinnt.

Wie Crew, Technik und Wetterarbeit zusammenwirken

Bei solchen Projekten schaue ich immer zuerst auf die Rollenverteilung. Der Skipper trägt den Kopf der Kampagne, aber die Leistung entsteht im Zusammenspiel mit Navigatoren, Trimmern, Bordtechnik und dem Shore Team an Land. Das ist nicht romantisch, aber realistisch: Offshore-Erfolge sind fast immer Teamarbeit in Reinform.

Ein gutes Beispiel war die Aufstellung für The Ocean Race Europe 2025. Rosalin Kuiper führte das Team als Skipperin an, Nicolas Lunven brachte seine Erfahrung im IMOCA- und Wetterbereich ein, dazu kamen unter anderem Carolijn Brouwer, Alan Roberts und Franck Cammas. Diese Mischung ist kein Zufall, sondern ein bewusstes Modell aus Erfahrung, Geschwindigkeit und taktischer Tiefe. Rosalin war in jener Ausgabe zudem die einzige Frau im Skipperfeld, was sportlich und symbolisch Gewicht hatte.
  • Der Skipper steuert Entscheidungen unter Druck und hält die Linie im Rennen.
  • Der Navigator übersetzt Wetter und Strömung in Kursentscheidungen.
  • Das Shore Team sorgt dafür, dass ein Schaden nicht das ganze Projekt stoppt.
  • Die Crew muss nicht nur schnell segeln, sondern auch reibungslos miteinander kommunizieren.

Typisch für Außenstehende ist der Irrtum, den technischen Anteil zu unterschätzen. Gerade im Hochseesegeln entscheidet oft nicht der spektakulärste Manövermoment, sondern die Qualität von Vorbereitung, Reparatur und Routine. Von hier ist der Schritt zum Nachhaltigkeitsaspekt kleiner, als viele denken.

Warum das Nachhaltigkeitsprogramm mehr ist als Marketing

Ich bin bei Sponsoring-Storys grundsätzlich vorsichtig. Nicht jede grüne Botschaft hält einer genaueren Betrachtung stand. Bei Holcim-PRB wirkt der Ansatz aber belastbarer, weil er konkrete Aktionen mit dem Rennen verbindet: Wasserproben, wissenschaftliche Datensammlung, Materialkreisläufe und reale Infrastrukturprojekte an Land.

Holcim verweist darauf, dass zur The Ocean Race Europe 2025 in Kiel eine künstliche Riffanlage installiert wurde, die aus rund 24 Quadratmetern Untergrund, 400 CO2-reduzierten Xstone-Blöcken und 3D-gedruckten „Fish Hotels“ besteht. Das ist mehr als eine symbolische Geste, weil dort messbar Lebensraum für marine Arten entstehen soll. Dass die Crew dafür zusätzlich den ersten Sustainability Award der Regatta erhielt, spricht dafür, dass der Ansatz im Feld tatsächlich als relevant wahrgenommen wurde.

Für mich ist das die entscheidende Unterscheidung: Eine nachhaltige Botschaft ist nur dann glaubwürdig, wenn sie in konkrete Maßnahmen übersetzt wird. Genau das ist hier passiert. Und sobald ein Projekt diese Ebene erreicht, stellt sich fast automatisch die Frage, wie es nach dem sportlichen Höhepunkt weitergeht.

Was die neue Phase für Fans und Segler bedeutet

Seit 2025 hat sich die Lage verändert, weil Holcim den Rückzug aus der Rolle des Hauptsponsors in der IMOCA-Klasse eingeleitet hat. Offiziell ist von einer neuen Phase die Rede, nicht von einem abrupten Ende. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn für Fans bleibt das Projekt sportlich relevant, auch wenn die Sponsorenlogik nicht mehr dieselbe ist.

Ich lese diese Entwicklung als ziemlich typisches Muster im Spitzensegeln: Ein Team erreicht ein starkes Leistungsniveau, sammelt Resultate und wird dann organisatorisch neu justiert. Für Segler ist daran vor allem eines lehrreich:

  • Ein starkes Projekt lebt länger als ein einzelnes Rennen.
  • Technische Zuverlässigkeit ist oft wichtiger als ein reiner Geschwindigkeitsschub.
  • Ein glaubwürdiges Nachhaltigkeitskonzept braucht sichtbare Taten, nicht nur Slogans.
  • Gute Offshore-Teams planen immer auch den Übergang nach dem sportlichen Höhepunkt.

Wenn ich das alles zusammennehme, bleibt Holcim-PRB für mich ein sehr gutes Beispiel dafür, wie moderne Hochseeregatten funktionieren: als Mischung aus Technik, Taktik, Belastbarkeit und klarer Haltung. Wer die Szene verstehen will, sollte dieses Projekt nicht nur als Rennteam lesen, sondern als präzise gebautes Modell dafür, wie Spitzenleistung auf See heute entsteht.

Häufig gestellte Fragen

Es ist eine professionelle Offshore-Segelkampagne in der IMOCA-Klasse. Das Projekt verbindet sportliche Höchstleistung mit technischer Innovation und einem starken Fokus auf Nachhaltigkeit und Meeresforschung.

Zu den Highlights zählen der 2. Platz beim The Ocean Race 2023, der 6. Platz von Nicolas Lunven bei der Vendée Globe 2024/25 sowie ein Podiumsplatz und der Sustainability Award beim The Ocean Race Europe 2025.

Wichtige Persönlichkeiten sind Skipperin Rosalin Kuiper, die das Team beim The Ocean Race Europe 2025 anführte, sowie Nicolas Lunven, der als Solosegler und Navigationsexperte maßgeblich zum Erfolg beitrug.

Neben wissenschaftlicher Datensammlung auf See realisiert das Projekt Maßnahmen wie künstliche Riffe aus CO2-reduzierten Materialien, um marinen Lebensraum zu fördern, wofür es bereits mit Nachhaltigkeitspreisen ausgezeichnet wurde.

IMOCA-Yachten sind High-Tech-Boote mit Foils, die über das Wasser fliegen. Sie erfordern ein perfektes Zusammenspiel aus Technik, Wettertaktik und physischer Belastbarkeit, um bei extremen Hochseeregatten zu bestehen.

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Rolf Götz

Rolf Götz

Ich bin Rolf Götz und beschäftige mich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit dem Segelsport, der Yachtpflege und maritimen Design. In dieser Zeit habe ich umfassende Kenntnisse über die neuesten Trends und Technologien in der Branche gesammelt und teile meine Erkenntnisse gerne mit anderen Enthusiasten. Mein Ziel ist es, komplexe Informationen verständlich aufzubereiten und objektive Analysen zu bieten, die sowohl für erfahrene Segler als auch für Neueinsteiger von Nutzen sind. Als erfahrener Content Creator lege ich großen Wert auf die Genauigkeit und Aktualität der Informationen, die ich bereitstelle. Ich strebe danach, dass meine Leser stets die besten und verlässlichsten Informationen erhalten, um informierte Entscheidungen in ihren maritimen Aktivitäten zu treffen. Durch meine Leidenschaft für das Thema und mein Engagement für qualitativ hochwertige Inhalte möchte ich das Bewusstsein für die Schönheit und die Herausforderungen des Segelsports und der damit verbundenen Bereiche stärken.

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