Wer auf einem großen Katamaran viel Platz genießen und trotzdem spürbare Rückmeldung am Ruder haben möchte, landet schnell beim Excess 14. Das Modell verbindet ein ungewöhnlich leichtes, asymmetrisches Rumpfdesign mit einem sportlichen Rigg, zwei achtern angeordneten Steuerständen und einem Innenausbau, der bewusst funktional statt luxuriös ausfällt. Ich zeige, welche Technik dahintersteckt, welche Geschwindigkeiten realistisch sind und für wen dieser Fahrtenkatamaran wirklich passt.
Die wichtigsten Fakten zum sportlichen Fahrtenkatamaran
- Abmessungen 13,97 m Länge, 7,87 m Breite und 1,48 m Tiefgang
- Gewicht rund 12,8 bis 13 Tonnen je nach Ausführung und Ausstattung
- Antrieb zwei Yanmar-Diesel mit jeweils 45 PS, optional stärker motorisiert
- Segelfläche 123 m² im Standard und etwa 135 m² mit Pulse Line
- Stärke lebendiges, direktes Segelverhalten bei großzügigem Wohnraum
- Kompromiss sportliche Technik trifft auf einen eher einfachen und gewichtsoptimierten Ausbau

Was den Katamaran technisch besonders macht
Die auffälligste Idee steckt unter Wasser. Die beiden Rümpfe sind nicht einfach spiegelbildlich gezeichnet, sondern asymmetrisch geformt. Dadurch werden die Bugwellen günstiger geführt und der Rumpfwiderstand bei höheren Geschwindigkeiten reduziert. Für mich ist das der entscheidende Unterschied zu vielen breit ausgelegten Komfortkatamaranen, die bei wenig Wind schnell schwerfällig wirken.
Statt aufwendiger Schwenk- oder Steckschwerter verwendet die Konstruktion vergleichsweise tiefe Performance-Festkiele. Sie verbessern die seitliche Führung und helfen beim Höhe laufen, erhöhen den Tiefgang aber auf 1,48 m. Das ist für einen Katamaran dieser Größe noch gut vertretbar, sollte bei flachen Revieren und der Wahl des Liegeplatzes aber von Anfang an eingeplant werden.
Die Werft spart Gewicht durch eine vakuuminfundierte Sandwichbauweise, ausgesparte Möbelteile und gezielte Verstärkungen an stark belasteten Stellen. In der Struktur kommen unter anderem Carbon-Verstärkungen und leichte Kernmaterialien zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein Leergewicht von etwa 12,8 Tonnen, was für einen fast 14 Meter langen Fahrtenkatamaran bemerkenswert niedrig ist.
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Ein Rigg mit viel Wirkung
Der Mast steht relativ weit vorn, der Baum sitzt niedrig und das Großsegel hat ein ausgeprägtes Squaretop. Diese Kombination senkt den Segeldruckpunkt und macht die Bedienung vom achtern gelegenen Steuerstand aus leichter. Die Standardsegelfläche beträgt rund 123 m², mit der größeren Pulse-Line-Ausrüstung steigt sie auf ungefähr 135 m².
Für Vorwind- und Halbwindkurse ist ein Code Zero besonders interessant. Das große Vorsegel bringt bei leichtem Wind deutlich mehr Zug, verlangt aber sauberes Trimmen und eine klare Entscheidung, wann es wieder geborgen werden muss. Ein großer Segelsatz macht ein Boot nicht automatisch schneller, wenn Crew, Wind und Kurs nicht dazu passen.
Wie schnell segelt das Modell wirklich
Die Werft positioniert den Katamaran als sportlichen Cruiser, nicht als Regattaboot. Das passt zu den Testergebnissen. Bei 10 bis 12 Knoten Wind wurden unter der Pulse-Line-Konfiguration am Wind etwa 6,1 Knoten erreicht. Auf halbem Wind lagen die Werte bei ungefähr 6,8 bis 7 Knoten, mit Code Zero waren bei achterlicherem Wind rund 8 Knoten möglich.
Bei 12 bis 14 Knoten wahrem Wind wurden in unabhängigen Tests am Wind etwa 7,4 bis 8 Knoten gemessen. Mit Code Zero stieg die Geschwindigkeit unter passenden Bedingungen auf ungefähr 10 Knoten. Einzelne Überführungsfahrten meldeten deutlich höhere Spitzenwerte, doch solche Zahlen sagen wenig über eine dauerhaft komfortable Reisegeschwindigkeit aus.
| Situation | Realistische Orientierung | Was dabei zählt |
|---|---|---|
| Leichtwind am Wind | etwa 4 bis 6 Knoten | Segelwahl, Rumpfsauberkeit und Beladung |
| 10 bis 12 Knoten Wind | etwa 6 bis 7 Knoten | guter Trimm und nicht zu hoch an den Wind gehen |
| 12 bis 14 Knoten Wind | etwa 7,4 bis 8 Knoten am Wind | ruhige See und korrekt eingestellte Segel |
| Code Zero auf Halbwindkurs | etwa 8 bis 10 Knoten | ausreichender Wind und sorgfältige Kontrolle der Lasten |
Die Grenze zeigt sich vor allem bei kurzer, steiler Welle. Wird zu hoch an den Wind gesteuert, verliert das Boot trotz seiner guten theoretischen Werte schnell Fahrt und beginnt unter dem Brückendeck unangenehm zu schlagen. Ich würde deshalb eher ein paar Grad abfallen, Geschwindigkeit aufnehmen und die Bewegung an Bord ruhig halten.
Standard oder Pulse Line
Die Wahl zwischen Standardrigg und Pulse Line verändert den Charakter des Bootes spürbar. Die größere Variante bringt einen längeren Mast, mehr Segelfläche und meist hochwertigere Segel. Sie lohnt sich besonders für Reviere mit häufigem Leichtwind, ist aber nicht automatisch die beste Lösung für jede Crew.
| Merkmal | Standard | Pulse Line |
|---|---|---|
| Segelfläche am Wind | etwa 123 m² | etwa 135 m² |
| Masthöhe | rund 19,8 m | rund 21,5 m |
| Leichtwindleistung | solide | deutlich stärker |
| Bedienaufwand | überschaubar | höhere Lasten und mehr Aufmerksamkeit |
| Sinnvoll für | Charter, Familienfahrten und einfache Törns | Eigentümer mit klarer Segelorientierung |
In einem Preisvergleich aus dem Jahr 2023 lag der Aufpreis für das Pulse-Paket bei rund 25.000 Euro. Diese Zahl ist heute nur als historische Orientierung brauchbar, da Werftpreise, Steuern, Ausstattung und Händlerpakete wechseln. Beim aktuellen Angebot sollte man nicht nur auf das Rigg schauen, sondern auch prüfen, ob elektrische Winschen, Code Zero, Bimini, Elektronik und Solaranlage bereits enthalten sind.
Wie sich der Alltag an Bord anfühlt
Die beiden Steuerstände liegen weit achtern und außen an den Rümpfen. Das schafft eine gute Sicht auf die Segel und hält den Steuermann näher am Wasser als ein hoher Flybridge-Steuerstand. Außerdem erleichtert die Position das Einhandmanöver im Hafen, weil die Achterleinen und die Rumpfseiten gut erreichbar bleiben.
Die Ruderanlage arbeitet mit Dyneema-Leinen statt mit einer hydraulischen Übertragung. Dyneema ist eine sehr zugfeste Kunstfaser, die Gewicht spart und direkte Bewegungen ermöglicht. Das Ruder kann sich dadurch unmittelbar anfühlen, allerdings wirkt das Rad bei manchen Booten sehr fest. Eine Probefahrt ist deshalb wichtiger als jede Prospektangabe.
Im Cockpit bleibt in der Mitte viel Bewegungsfläche, weil die meisten Fallen und Schoten am Steuerstand zusammenlaufen. Der Salon ist hell und geräumig, die Kabinen bieten für längere Aufenthalte brauchbare Maße. Je nach Grundriss gibt es drei oder vier Kabinen sowie einen Multifunktionsraum, der als Stauraum, Werkstatt oder zusätzliche Schlafmöglichkeit dienen kann.
Beim Ausbau setzt die Werft klar auf Gewicht und Kosten. Sichtbare Schraubenköpfe, einfache Beschläge oder nicht vollständig verkleidete Bereiche sind kein Einzelfall. Für mich ist das kein technischer Mangel, solange die Verarbeitung trocken, zugänglich und sauber kontrollierbar bleibt. Wer allerdings die Möbelqualität einer hochwertigen Serienyacht erwartet, dürfte vom pragmatischen Innenausbau enttäuscht sein.
Was der Einstieg kostet und welche Folgekosten entstehen
Ein belastbarer Endpreis lässt sich nur mit einer konkreten Ausstattung nennen. Als historische Größenordnung wurden für das Modell in Deutschland rund 618.800 Euro ab Werft sowie mehr als 639.000 Euro segelfertig ausgewiesen. Ein Komfortpaket lag damals bereits bei über 673.000 Euro. Für 2026 sollte man diese Werte nicht als Angebot verstehen, sondern als Hinweis darauf, wie stark die Extras den Grundpreis verändern.
Die größeren laufenden Kosten entstehen nicht nur durch Motorwartung und Versicherungen. Mit 7,87 m Breite benötigt der Katamaran einen entsprechend breiten Liegeplatz, der in vielen Marinas teurer und schwerer verfügbar ist. Auch Kranen, Winterlager, Antifouling und der Transport einzelner Bauteile können über dem Niveau eines ähnlich langen Einrumpfbootes liegen.
Bei den Tanks variieren die Angaben je nach Baujahr und Ausstattung. Für aktuelle Ausführungen werden häufig rund 400 Liter Diesel und 300 Liter Frischwasser genannt, während ältere Konfigurationen zusätzliche Wassertanks besaßen. Käufer sollten sich daher die tatsächlich eingebaute Tankkapazität, die Batteriebank und die Energieerzeugung schriftlich bestätigen lassen.
Für wen dieser Fahrtenkatamaran geeignet ist
Das Modell passt zu Seglern, die einen geräumigen Katamaran möchten, aber nicht auf jedes Gefühl für Wind und Kurs verzichten wollen. Besonders stimmig ist es für Eigner, die regelmäßig segeln, das Boot aktiv trimmen und einen funktionalen Ausbau dem maximalen Luxus vorziehen. Auch für Familien ist die Kombination aus Platz, guter Sicht und einfacher Manövrierbarkeit interessant.
- Gute Wahl für sportlich orientierte Fahrtensegler, Langzeit-Eigner und Crews mit Freude an direkter Ruderarbeit
- Weniger passend für Käufer, die vor allem maximale Innenausbauqualität oder einen extrem flachen Tiefgang suchen
- Vor dem Kauf prüfen sind Riggversion, Tankausstattung, Elektronik, Biminis, Solaranlage und Liegeplatzbreite
Für Chartereinsätze kann der robuste, leicht verständliche Grundgedanke ein Vorteil sein. Bei intensiver Nutzung würde ich jedoch besonders auf Beschläge, Scharniere, elektrische Leitungen und die Abdichtung von Durchbrüchen achten. Gerade auf einem leichten Boot ist eine saubere Wartungsroutine wichtiger als ein möglichst langes Zubehörverzeichnis.
Warum die richtige Ausstattung mehr zählt als die Prospektgeschwindigkeit
Die Konstruktion kann schnell segeln, aber erst die passende Konfiguration macht daraus ein gutes Reisemittel. Für wechselnde Bedingungen halte ich die Pulse Line mit Code Zero für besonders überzeugend, während eine Crew mit wenig Segelerfahrung mit dem Standardrigg entspannter starten kann.
Vor der Kaufentscheidung würde ich drei Dinge selbst testen. Erstens sollte die Crew das Boot bei wenig Wind und am Wind segeln. Zweitens gehört ein echtes Hafenmanöver mit beiden Motoren dazu. Drittens sollte man sich Bilgen, Motorraum, Kabelwege und die Befestigung der Beschläge ansehen, denn dort zeigt sich die langfristige Wartungsfreundlichkeit.
Der Excess 14 ist damit kein schwimmendes Luxusapartment und auch kein kompromissloser Racer. Seine Stärke liegt genau dazwischen: viel Wohnraum, geringes Gewicht und ein deutlich lebendigeres Segelverhalten als bei vielen klassischen Fahrtenkatamaranen. Wer diesen Charakter sucht und die einfachen Details akzeptiert, bekommt ein technisch eigenständiges und bemerkenswert vielseitiges Boot.