Eine 37-Fuß-Yacht soll schnell segeln, genug Platz für längere Törns bieten und trotzdem überschaubar bleiben. Die Varianta 37 verbindet genau diese Ziele mit einem vergleichsweise einfachen Ausbaukonzept und einem sportlich ausgelegten Rumpf. Ich zeige, welche technischen Daten zählen, wie sich die Yacht im Alltag anfühlt, welche Ausstattungsvarianten sinnvoll sind und worauf ich beim Gebrauchtkauf besonders achten würde.
Die wichtigsten Fakten zur Varianta 37 auf einen Blick
- Abmessungen: 11,55 m Länge über alles und 3,75 m Breite.
- Tiefgang: standardmäßig 1,95 m, alternativ etwa 1,60 m.
- Segelfläche: rund 77 m² mit Großsegel und 105-Prozent-Genua.
- Gewicht: etwa 6,9 t Verdrängung und rund 2.300 kg Ballast.
- Konzept: schneller Fahrtenkreuzer mit zwei oder drei Kabinen.

Was die Varianta 37 besonders macht
Die Yacht wurde von HanseYachts als preisbewusster, schneller Fahrtenkreuzer entwickelt. Konstruiert wurde sie von judel/vrolijk & co., also einem Büro, das nicht nur komfortable Fahrtenyachten, sondern auch leistungsfähige Regattaboote entworfen hat. Die Modellbezeichnung erscheint deshalb teilweise auch als Dehler Varianta 37.
Die Basis stammt aus der Hanse-370-Familie, wurde aber mit einem bewusst reduzierten Innenausbau kombiniert. Das spart Gewicht und hält den Einstiegspreis niedrig. Ich halte diesen Ansatz für gelungen, solange man keine luxuriöse Holzyacht erwartet. Die Stärke liegt klar in Segeleigenschaften, Raumangebot und einfacher Funktionalität.
Mit ihrer CE-Entwurfskategorie A ist sie grundsätzlich für Hochseereviere ausgelegt. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede gebrauchte Yacht automatisch hochseetauglich ausgerüstet ist. Zustand von Rigg, Motor, Navigation, Sicherheitsausrüstung und Elektrik entscheidet in der Praxis mindestens genauso stark wie das ursprüngliche Werftlabel.
Technische Daten und Segeleigenschaften
Die wichtigsten Maße zeigen, warum das Boot auf viele Fahrtensegler attraktiv wirkt. Mit 11,55 m Länge, 3,75 m Breite und rund 6,9 t Verdrängung bleibt die Yacht noch gut handhabbar, bietet aber deutlich mehr Lebensraum als typische 32- bis 35-Fuß-Boote.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Länge über alles | 11,55 m |
| Rumpflänge | 11,35 m |
| Wasserlinienlänge | 10,05 m |
| Breite | 3,75 m |
| Tiefgang | 1,95 m standardmäßig, alternativ etwa 1,60 m |
| Verdrängung | ca. 6,9 t |
| Ballast | ca. 2.300 kg |
| Segelfläche | ca. 77 m² |
| Motor | Volvo D1-20 mit etwa 20 PS |
| Frischwasser | ca. 295 l |
| Kraftstoff | ca. 155 l |
Der tiefe Kiel mit 1,95 m Tiefgang ist für die meisten Segler die interessantere Wahl. Er bringt mehr Stabilität und bessere Höhe am Wind. Die flachere Variante mit ungefähr 1,60 m Tiefgang erleichtert den Zugang zu flachen Häfen und Revieren, kostet aber normalerweise etwas an Steifigkeit und Leistung.
Bei moderatem Wind wirkt die Yacht lebendig und lässt sich präzise steuern. Das Verhältnis aus hoher Segelfläche und relativ schlankem Rumpf macht sie deutlich sportlicher, als der Begriff Fahrtenkreuzer zunächst vermuten lässt. Bei stärkerem Wind sollte die Crew früh reffen, denn das hohe Rigg belohnt aktives Trimmen und verzeiht eine verspätete Reaktion nicht immer.
Das Standardsegel besteht aus einem Großsegel von etwa 42 m² und einer 105-Prozent-Genua mit rund 33 m². Ein optionaler Gennaker mit ungefähr 140 m² kann bei achterlichen Kursen viel Freude bringen, ist aber kein Zubehör, das ich für jede Crew automatisch empfehlen würde. Wer meistens zu zweit unterwegs ist, sollte zuerst eine gut bedienbare Rollanlage und sinnvoll geführte Schoten priorisieren.
Innenraum und Deck für Fahrten zu zweit oder mit Familie
Unter Deck setzt die Yacht auf ein helles, funktionales Layout mit zwei oder drei Kabinen. Je nach Ausführung stehen bis zu sechs feste Kojen zur Verfügung. Die Drei-Kabinen-Version ist für Familien praktisch, während die Zwei-Kabinen-Variante mehr Stauraum und Bewegungsfreiheit bietet.
Der Salon ist nicht auf repräsentativen Luxus ausgelegt. Dafür entstehen klare Flächen, brauchbare Sitzplätze und ein übersichtlicher Grundriss. Aus meiner Sicht ist die Zwei-Kabinen-Version für längere Törns die angenehmere Wahl, weil sie Kleidung, Proviant, Werkzeug und Sicherheitsausrüstung besser aufnehmen kann.
Die Pantry, der Nassraum und die Kabinen sind ordentlich aufgeteilt, aber der Ausbau bleibt bewusst einfach. Wenig Holz bedeutet weniger Pflege, allerdings auch weniger wohnliche Tiefe als bei höherpreisigen Serienyachten. Wer eine gebrauchte Yacht besichtigt, sollte besonders auf Feuchtigkeit an Decksluken, Fenstern, Polstern und im Bereich der Sanitärleitungen achten.
Das Cockpit gehört zu den überzeugendsten Bereichen. Es ist breit, offen und für Hafenmanöver ebenso geeignet wie für lange Tage unter Segel. Je nach Ausstattung gibt es eine große Pinne, ein Steuerrad oder Doppelräder. Die abnehmbare Sitzlösung am Heck schafft einen freien Zugang zur Badeplattform, was beim Baden und beim Einsteigen aus dem Beiboot spürbar angenehm ist.
Welche Ausstattung im Alltag wirklich zählt
Die Varianta 37 wurde nach einem Baukastenprinzip angeboten. Dadurch können zwei Boote desselben Baujahrs auf dem Gebrauchtmarkt sehr unterschiedlich wirken. Ein Basisschiff mit einfacher Navigation und Standardmotor ist nicht direkt mit einer voll ausgerüsteten Yacht mit Heizung, Autopilot und größerem Motor vergleichbar.
Bei der Besichtigung prüfe ich die Ausstattung in dieser Reihenfolge:
- Rigg und Segel: Alter von Wanten, Terminals, Fallen, Schoten und Segeltuch dokumentieren.
- Motor und Saildrive: Kaltstart, Wartungsnachweise, Kühlung, Dichtungen und Propeller kontrollieren.
- Elektrik: Batterien, Ladegerät, Landanschluss, Sicherungskasten und Kabelwege testen.
- Navigation: Plotter, Windinstrumente, Echolot, Autopilot und UKW-Funk auf Funktion prüfen.
- Rumpf und Kiel: Kielnaht, Ruderanlage, Bilge und mögliche Reparaturstellen fachkundig untersuchen lassen.
- Innenraum: Feuchtigkeit, Geruch, Fenster, Luken, Polster und Pumpen nicht nur ansehen, sondern bedienen.
Ein Autopilot ist für mich bei dieser Bootsgröße keine Spielerei. Er entlastet die Crew auf langen Schlägen und erhöht den praktischen Wert des Bootes deutlich. Kleine Fockwinschen, fehlende Springklampen oder ungünstig geführte Schoten lassen sich dagegen teilweise nachrüsten, sollten aber in die Kaufrechnung einfließen.
Auch Heizung, Warmwasser, Teak, Bugausrüstung und ein stärkerer Motor können den Preis spürbar erhöhen. Trotzdem würde ich eine gepflegte Grundausstattung einem schlecht gewarteten Luxuspaket vorziehen. Wartungszustand schlägt Zubehörliste, besonders bei einer Yacht, die bereits mehr als zehn Jahre alt sein kann.
Gebrauchtkauf und laufende Kosten realistisch einschätzen
Die ursprünglichen Werftpreise lagen je nach Ausführung ungefähr im Bereich von 89.000 bis 95.000 Euro. Voll ausgestattete Boote konnten deutlich darüber liegen. Heute hängt der Preis vor allem von Baujahr, Motorstunden, Segelzustand, Elektronik, Liegeplatz und Wartungshistorie ab.
Ein gut ausgestattetes Exemplar aus der Mitte der 2010er-Jahre kann auf dem Markt um oder über 100.000 Euro angeboten werden. Das ist jedoch kein allgemeiner Marktwert. Bei einer Yacht mit altem Rigg, verbrauchten Segeln und überholungsbedürftiger Elektrik können schnell 15.000 bis 30.000 Euro zusätzliche Kosten entstehen.
Für die erste Budgetplanung rechne ich neben dem Kaufpreis mit folgenden Größenordnungen:
| Posten | Grobe Orientierung | Wovon es abhängt |
|---|---|---|
| Jährlicher Liegeplatz | ca. 1.500 bis 5.000 Euro | Hafen, Region, Saison und Bootsbreite |
| Winterlager | ca. 1.000 bis 3.000 Euro | Freilager, Halle, Kranen und Arbeitsumfang |
| Versicherung | oft etwa 500 bis 1.500 Euro | Revier, Wert, Selbstbeteiligung und Erfahrung der Crew |
| Riggüberholung | mehrere tausend Euro | Wanten, Terminals, Beschläge und Arbeitslohn |
| Segelsatz | ca. 8.000 bis 18.000 Euro | Material, Schnitt, Rollsystem und Sonderwünsche |
Diese Zahlen sind keine festen Tarife, sondern brauchbare Planungswerte. Vor dem Kauf würde ich immer einen unabhängigen Gutachter, einen Motorfachmann und bei älteren Masten einen Rigger einbeziehen. Die Kosten für eine gründliche Untersuchung sind klein im Vergleich zu einem übersehenen strukturellen Schaden.
Für wen dieses Modell passt und wo seine Grenzen liegen
Die Yacht passt zu Seglern, die sportliches Fahrverhalten mit brauchbarem Fahrtenkomfort verbinden möchten. Sie eignet sich für Ostsee, Nordsee und längere Küstentörns. Auch eine Atlantikpassage ist vom Konzept her nicht ausgeschlossen, verlangt aber eine konsequente Sicherheitsausrüstung, eine erfahrene Crew und einen sehr guten technischen Zustand.
Für reine Hafenlieger, die vor allem viel Wohnkomfort suchen, gibt es gemütlichere Alternativen. Die Varianta 37 fühlt sich unter Segel am stärksten an. Wer ihre Stärken nicht nutzt, bezahlt für Leistung und Rigg, ohne den entsprechenden Gegenwert zu erleben.
| Ausführung | Vorteil | Möglicher Nachteil |
|---|---|---|
| Tiefer Kiel, 1,95 m | Bessere Stabilität und gute Am-Wind-Leistung | Mehr Einschränkungen in flachen Häfen |
| Flacher Kiel, ca. 1,60 m | Mehr Revierfreiheit in flachen Gewässern | Etwas weniger Steifigkeit und Leistung |
| Zwei Kabinen | Mehr Stauraum und angenehmer für lange Törns | Weniger Schlafplätze für Familien |
| Drei Kabinen | Praktisch für Kinder oder mehrere Gäste | Weniger Stauraum und engerer Innenraum |
| Standardmotor mit etwa 20 PS | Ausreichend für normale Hafen- und Reviermanöver | Weniger Reserven bei Gegenstrom und schwerem Wetter |
| Motor-Upgrade | Mehr Schub und höhere Sicherheitsreserven | Höhere Anschaffungs- und Wartungskosten |
Mein persönlicher Favorit wäre ein gepflegtes Zwei-Kabinen-Boot mit tiefem Kiel, Rollgenua, gutem Autopiloten, Heizung und nachvollziehbarer Motorwartung. Teakdecks oder eine lange Zubehörliste wären für mich zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Yacht trocken, strukturell gesund und segelfertig ist.
Die richtige Kaufentscheidung beginnt unter Deck
Die Varianta 37 ist kein schwimmendes Ferienhaus, sondern ein ehrlicher und leistungsfähiger Fahrtenkreuzer. Ihre Qualitäten liegen im ausgewogenen Rumpf, im großzügigen Cockpit, im guten Raumangebot für die Bootsgröße und in der Möglichkeit, die Ausstattung an den eigenen Törn anzupassen.
Beim Kauf würde ich mich nicht vom jüngsten Baujahr oder von glänzender Elektronik blenden lassen. Ein unabhängiger Zustandscheck, ein Blick auf Rigg und Kiel sowie realistische Rücklagen für Wartung sagen meist mehr über den Wert aus als die Zahl der Extras.
Wer segeln möchte und bereit ist, beim Innenausbau einige Kompromisse zu akzeptieren, findet hier eine bemerkenswert vielseitige Yacht. Die beste Varianta 37 ist nicht die billigste, sondern diejenige, deren Technik transparent dokumentiert und deren Ausstattung zum eigenen Revier passt.