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Friendship 22 - Segeleigenschaften & Tipps zum Gebrauchtkauf

Segelboot im Wasser, bereit für ein Abenteuer. Die Freundschaft 22 ist ein Symbol für Freiheit und gemeinsame Erlebnisse auf See.

Geschrieben von

Rolf Götz

Veröffentlicht am

20. März 2026

Inhaltsverzeichnis

Die Friendship 22 ist ein kompakter Klassiker, der bis heute wegen seiner ausgewogenen Linien, des überraschend brauchbaren Innenraums und seines ehrlichen Segelcharakters auffällt. In diesem Beitrag ordne ich das Modell technisch ein, erkläre, wie es sich auf dem Wasser anfühlt, und zeige, worauf ich beim Gebrauchtkauf in Deutschland achten würde. Für alle, die ein kleines, trailerbares Segelboot mit Substanz suchen, ist das keine bloße Nostalgiefrage, sondern eine sehr praktische Entscheidung.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Die FS 22 ist ein kleiner Serienkreuzer mit klassischer Linie und erstaunlich viel Nutzwert für ihre Länge.
  • Mit rund 6,5 bis 7,3 Metern Länge, 2,50 Metern Breite und etwa 1,3 Tonnen Verdrängung bleibt sie handlich, wirkt aber nicht karg.
  • Unter Segeln fährt sie lebendig, aber nicht nervös; am stärksten ist sie in Küsten- und Reviergebieten.
  • Der Innenraum ist clever gelöst, aber nur bedingt für vier Erwachsene auf Dauer komfortabel.
  • Auf dem Gebrauchtmarkt in Deutschland entscheidet der Pflegezustand stärker über den Preis als das Baujahr allein.
  • Wer Kiel, Deck, Rigg, Motor und Feuchtigkeit sauber prüft, bekommt ein sehr vernünftiges kleines Boot.

Warum die Friendship 22 bis heute funktioniert

Ich mag an diesem Entwurf, dass er nicht versucht, etwas zu sein, was er nicht ist. Die Friendship 22 ist keine Showyacht, sondern ein sauber gezeichnetes kleines Schiff mit klarer Linie, vernünftigem Volumen und einer sehr stimmigen Proportion von Rumpf, Aufbau und Cockpit. Genau deshalb wirkt sie auch nach Jahrzehnten nicht altmodisch, sondern eher zeitlos.

Der Charakter liegt irgendwo zwischen sportlichem Kleinkreuzer und alltagstauglichem Cruiser. Das Boot hat genug Präsenz, um nach Yacht auszusehen, bleibt aber klein genug, um am Wochenende oder im kurzen Urlaub ohne großen logistischen Aufwand genutzt zu werden. Dass viele Exemplare über Jahre gepflegt, immer wieder modernisiert und auf dem Gebrauchtmarkt recht stabil nachgefragt wurden, ist für mich ein starkes Zeichen für ein gelungenes Grundkonzept.

Wichtig ist dabei: Die Faszination entsteht nicht durch maximale Performance oder Luxus, sondern durch die Kombination aus Bauqualität, klassischer Form und einem Layout, das erstaunlich wenig verschwendet. Damit ist die Grundidee klar; entscheidend sind jetzt die harten Zahlen.

Die wichtigsten technischen Daten der FS 22

Für die Einordnung lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Maße. Die Werte können je nach Baujahr und Ausführung leicht variieren, aber genau diese Spannbreite hilft beim Lesen von Inseraten und beim Vergleich unterschiedlicher Boote.

Merkmal Typischer Wert Praktische Bedeutung
Konstrukteur Jac de Ridder Ein Entwurf mit klarem Fokus auf ausgewogene Segeleigenschaften.
Bauweise GFK, meist mit Sandwich-Deck Robust und reparaturfreundlich, aber Deck und Durchführungen sollten genau geprüft werden.
Länge rund 6,5 bis 7,3 m Je nach Messmethode und Version wirkt das Boot etwas kleiner oder größer.
Breite 2,50 m Stabiler Stand und brauchbarer Innenraum für diese Klasse.
Tiefgang je nach Variante etwa 1,10 bis 1,45 m Gut für Reviere mit flacheren Bereichen, aber nicht für jedes Hafenbecken ideal.
Verdrängung etwa 1.300 kg Leicht genug für handliches Segeln, schwer genug für einen soliden Eindruck.
Ballast rund 490 kg Hilft der Stabilität, ohne das Boot träge zu machen.
Rigg Fractional Sloop Der Trimm bleibt vergleichsweise feinfühlig, vor allem auf Amwindkursen.
Segelfläche je nach Berechnung rund 25 bis 28 m² Genug Fläche für ordentliches Vortriebspotenzial, besonders bei leichter bis mittlerer Brise.
Stehhöhe etwa 1,54 m Für kleine Crews brauchbar, zum dauerhaften Stehen aber klar begrenzt.

Diese Daten erklären bereits viel: Die Friendship ist kein schwerer Langfahrtkahn, sondern ein kompakter, lebendiger Cruiser mit vernünftiger Stabilität. Wer die Maße versteht, versteht auch, warum sie auf dem Wasser anders wirkt, als ihre Länge zunächst vermuten lässt.

Wie sie segelt und wo sie sich zuhause fühlt

Unter Segeln zeigt die FS 22 genau das Verhalten, das ich von einem guten Kleinkreuzer erwarte: Sie reagiert zügig, nimmt Böen sportlich an und wirkt dabei nicht hektisch. Das Boot liegt nicht stumpf im Wasser, sondern will gefahren werden. Gerade bei leichter bis mittlerer Brise macht das Spaß, weil das Rigg genug Leben in den Rumpf bringt, ohne dass man ständig gegen das Boot arbeiten muss.

In stärkeren Böen spürt man ihre Herkunft aus einer Zeit, in der Boote oft mit klarer Segelspannung und sauberem Trimm gefahren wurden. Die Anfangsstabilität ist nicht übertrieben hoch, deshalb würde ich früh reffen, statt das Boot permanent hart auf der Kante zu fahren. Genau das ist aber kein Nachteil, sondern eher ein Hinweis darauf, wie man mit ihr sauber segelt: aufmerksam, aber nicht verkrampft.

  • Am besten passt sie zu Binnenrevieren, Bodden, Seen und küstennahen Törns.
  • Einhand oder mit kleiner Crew ist gut machbar, weil Cockpit und Trimmwege praktikabel gelöst sind.
  • Für längere Sommertörns funktioniert sie gut, wenn Wetterfenster und Beladung vernünftig gewählt werden.
  • Für harte Offshore-Ansprüche würde ich sie nicht als erste Wahl sehen.

Gerade diese Mischung aus Agilität und Maßhaltung macht den Reiz aus. Und genau an dieser Stelle wird spannend, wie viel Alltagstauglichkeit die Konstrukteure aus dem Innenraum herausgeholt haben.

Der Innenraum ist kleiner als eine Yacht, größer als man erwartet

Bei einem Boot dieser Länge ist Platz immer ein Kompromiss, aber die Friendship löst ihn überraschend gut. Der Grundriss ist intelligent gemacht: vorn eine abgetrennte Doppelkoje, dazu ein Salon mit Längsbank, Stauraum und einer kleinen Pantry, die je nach Ausführung versenkbar oder fest angeordnet ist. Das klingt nach wenig, fühlt sich im Verhältnis zur Länge aber ordentlich an.

Ich halte den Innenraum vor allem deshalb für gelungen, weil er nicht versucht, ein Appartement zu imitieren. Stattdessen konzentriert er sich auf die Dinge, die an Bord wirklich zählen: Schlafen, Verstauen, Kochen, Sitzen, ein wenig Privatsphäre im Bug und ein insgesamt freundlicher, maritimer Eindruck. Teak und Holzoberflächen helfen dabei, dass das Boot auch innen mehr Klasse ausstrahlt, als die Außenlänge vermuten lässt.

  • Für zwei Personen ist das Layout sehr angenehm.
  • Mit drei oder vier Personen funktioniert es für Wochenenden, aber nicht als Dauerlösung mit hohem Komfortanspruch.
  • Die Stehhöhe bleibt begrenzt, deshalb sollte man den Innenraum nicht mit einer modernen 30-Fuß-Yacht verwechseln.
  • Stauraum ist für die Klasse ordentlich, aber nur dann wirklich nützlich, wenn die Ausrüstung schlank gehalten wird.

Wer das Boot realistisch nutzt, profitiert genau von dieser Klarheit. Wer dagegen permanent mehr Raum erwartet, als die Länge hergibt, wird nie glücklich. Das führt direkt zur vielleicht wichtigsten Frage: Was ist so ein Boot heute auf dem Markt wert?

Was auf dem Gebrauchtmarkt in Deutschland realistisch ist

Die Preisspanne hängt bei diesem Modell enorm vom Zustand ab. Auf dem deutschen Gebrauchtmarkt sehe ich aktuell grob drei Gruppen: solide, aber ältere Boote im unteren Bereich; gepflegte Allrounder in der Mitte; und sauber refittete Exemplare mit gutem Zubehör, besserem Motor oder Trailer im oberen Bereich. Genau deshalb ist das Baujahr allein fast irrelevant, wenn Wartung und Ausrüstung auseinanderdriften.

Preisbereich Was ich typischerweise erwarte Worauf man besonders achten sollte
rund 7.000 bis 9.000 € fahrbereites Boot mit Patina, oft mit älteren Segeln oder Technik Feuchtigkeit, Elektrik, Motorzustand und mögliche Folgekosten
rund 10.000 bis 13.000 € ordentlicher Pflegezustand, brauchbares Inventar, meist segelfertig Rigg, Kielaufnahme, Decksbau und Zustand der Pantry
ab etwa 14.000 bis 16.000 € modernisierte oder sehr gepflegte Boote, oft mit besserem Motor, Trailer oder neueren Segeln Ob der Aufpreis wirklich in Substanz steckt und nicht nur in Optik

Wichtig ist für mich noch ein Punkt, den viele Käufer unterschätzen: „trailerbar“ heißt nicht automatisch, dass ein straßentauglicher Trailer dabei ist. Häufig existiert nur ein Winterlagertrailer oder gar kein geeigneter Fahrtrailer. Das kann den tatsächlichen Kaufpreis schnell verschieben, ebenso wie ein frisch erneuerter Motor oder ein kompletter Segelsatz. Wer die Anzeigen liest, sollte also immer zwischen Anschaffungspreis und realem Startbudget unterscheiden. Die Preise sagen aber nur die halbe Wahrheit, denn der technische Zustand entscheidet.

Worauf ich bei Besichtigung und Pflege sofort achte

Bei einem älteren, aber gut gebauten GFK-Boot sind es fast nie die großen, spektakulären Probleme, die Geld kosten. Es sind die kleinen Stellen, an denen Wasser, Alterung oder schlechte Wartung über Jahre arbeiten konnten. Genau deshalb gehe ich bei der FS 22 ziemlich systematisch vor.

  • Deck und Durchführungen: Weiche Stellen im Sandwich-Deck, besonders rund um Beschläge, Winschen und Relingstützen, sind ein Warnsignal.
  • Kiel und Kielaufnahme: Feine Risse, Weißbruch oder Spuren früherer Schläge sollte man ernst nehmen, nicht wegdiskutieren.
  • Ruderblatt und Lager: Wasser im Ruder oder Spiel in den Lagern ist kein Drama, aber ein klarer Kostenfaktor.
  • Rigg und Beschläge: Stehendes Gut, Wanten, Vorstag und Terminals haben ein Ablaufdatum, auch wenn sie optisch noch gut aussehen.
  • Motor und Kraftstoffsystem: Bei älteren Außenbordern und älteren Dieselinstallationen prüfe ich Schlauchzustand, Tank, Entlüftung und elektrische Anschlüsse sehr genau.
  • Fenster, Luken und Dichtungen: Undichte Stellen sind bei klassischen Booten häufig die Ursache für Folgeschäden im Innenausbau.
  • Elektrik: Sauber verlegte Leitungen, Sicherungen und ordentliche Batterieführung sagen viel über den Pflegezustand aus.

Bei der Pflege würde ich schlicht konsequent bleiben: trockenes Winterlager, saubere Lüftung, regelmäßiges Nachziehen der Beschläge und kein Zögern bei kleineren Undichtigkeiten. Gerade bei einem Klassiker zahlt sich frühes Handeln doppelt aus, weil man den Charme des Bootes erhält, ohne später strukturell teuer zu werden. Wenn diese Prüfpunkte stimmen, wird aus einem alten Serienboot ein erstaunlich gutes Segelboot.

Warum die kleine Yacht auch 2026 noch überzeugt

Für mich ist die FS 22 ein Modell, das seinen Wert nicht aus Mode, sondern aus Substanz zieht. Sie ist klein genug, um beherrschbar zu bleiben, und groß genug, um sich wirklich wie ein Boot anfühlen zu lassen. Genau diese Balance ist selten, weil viele kleine Boote entweder zu knapp oder zu steril wirken.

Wer ein ehrliches Boot für Wochenenden, Reviersegeln und gelegentliche längere Törns sucht, bekommt hier ein sehr stimmiges Gesamtpaket. Ich würde nur zwei Erwartungen klar sortieren: erstens den Pflegezustand ernst nehmen, zweitens keine falsche Vorstellung von Wohnkomfort aufbauen. Wer beides sauber einordnet, findet in diesem Klassiker ein Boot mit Charakter, brauchbarer Alltagstauglichkeit und bemerkenswertem Werterhalt.

Häufig gestellte Fragen

Ja, mit einer Breite von 2,50 m und rund 1,3 Tonnen Gewicht ist sie gut trailerbar. Achten Sie beim Kauf jedoch darauf, ob ein straßentauglicher Trailer im Angebot enthalten ist, da dieser oft separat erworben werden muss.

Das Boot bietet Schlafplätze für bis zu vier Personen. Während es für zwei Segler sehr komfortabel ist, wird es mit vier Erwachsenen auf längeren Törns aufgrund der kompakten Maße und begrenzten Stehhöhe unter Deck recht eng.

Wichtige Prüfpunkte sind weiche Stellen im Sandwich-Deck, der Zustand der Kielaufnahme sowie Feuchtigkeit im Ruderblatt. Auch das Alter des Motors und des stehenden Gutes sollte bei der Preisverhandlung eine Rolle spielen.

Die Stehhöhe beträgt etwa 1,54 Meter. Das reicht für sitzende Tätigkeiten und die Pantry-Nutzung aus, bietet jedoch keinen vollen Stehkomfort für Erwachsene, was für einen Kleinkreuzer dieser Länge jedoch absolut typisch ist.

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Rolf Götz

Rolf Götz

Ich bin Rolf Götz und beschäftige mich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit dem Segelsport, der Yachtpflege und maritimen Design. In dieser Zeit habe ich umfassende Kenntnisse über die neuesten Trends und Technologien in der Branche gesammelt und teile meine Erkenntnisse gerne mit anderen Enthusiasten. Mein Ziel ist es, komplexe Informationen verständlich aufzubereiten und objektive Analysen zu bieten, die sowohl für erfahrene Segler als auch für Neueinsteiger von Nutzen sind. Als erfahrener Content Creator lege ich großen Wert auf die Genauigkeit und Aktualität der Informationen, die ich bereitstelle. Ich strebe danach, dass meine Leser stets die besten und verlässlichsten Informationen erhalten, um informierte Entscheidungen in ihren maritimen Aktivitäten zu treffen. Durch meine Leidenschaft für das Thema und mein Engagement für qualitativ hochwertige Inhalte möchte ich das Bewusstsein für die Schönheit und die Herausforderungen des Segelsports und der damit verbundenen Bereiche stärken.

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